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d&b Soundscape. So wird Klang.

Man stelle sich für einen Moment eine mondlose Nacht Ende Juli vor. Und einen Spaziergang auf dem Land. Der Hund läuft voraus, rennt in die Dunkelheit. Doch man hört, wie er durchs Dickicht streift, das den holprigen Weg säumt. Es ist windstill, und doch ist die Luft erfüllt vom Konzert der Insekten, die die Nacht bevölkern. Eine dicke alte Ringeltaube schreckt auf, hüpft tapsig durchs Laub eines nahen Baumes und flattert auf, dem dämmernden Licht im Westen entgegen. Und dann kommt das Donnergrollen. Nahe genug, um Spannung zu erzeugen, gleichzeitig aber noch tröstlich fern. Man wird wohlbehalten zu Hause sein, bevor der Himmel seine Schleusen öffnet.

Auch wenn wir nicht immer alles sehen können, wissen wir, was uns umgibt. Wie ist das möglich?

Neurobiologisch gesehen, ist unser Gehör unser schärfster Sinn. Dank einer Laune der physikalischen Natur empfangen unsere Ohren fünftausendmal mehr und komplexere Signale als unsere Augen. Dass unser Gehirn diese enorme Menge an Informationen schnell und problemlos verarbeiten kann, ist das Vermächtnis früherer Zeiten, als noch riesige Raubtiere durch alle Ecken und Enden bewohnter Gebiete streiften. Menschen standen damals auf ihrem Speiseplan und mussten demnach wissen, wann Gefahr im Verzug war, auch wenn sie nicht zu sehen waren.

Wer spätnachts zu Fuß nach Hause geht und das unheimliche Geräusch sich von hinten nähernder, schwerer Schritte vernimmt, wird sich auf seinen Hörsinn verlassen. Man kann unmittelbar nachvollziehen, wie sich das Gehirn auf diese Schritte konzentriert, und alle anderen Geräusche wie Wind oder Verkehr plötzlich in den Hintergrund treten. Horcht man genauer und länger hin, erkennt man, ob die Schritte rhythmisch und natürlich oder unregelmäßig und unheilverkündend sind. Ebenso kann man wahrnehmen, in welche Richtung sie sich bewegen und, bis auf wenige Meter, wie weit sie entfernt sind.

Diesen Urinstinkt besitzen Menschen noch immer. Er ist ein Grund unter anderen, warum so ziemlich jede Gemeinschaft vom Volksstamm bis zur Hochkultur Freude an Musik, Gesang und Schauspiel hat. Ob man nun in einem vornehmen Salon sitzt und dem unverstärkten Spiel von fünf Violinisten in Frack und gepuderter Perücke lauscht oder zusammen mit ein paar Gitanos, die spielen und komplexe Rhythmen klatschen, auf den Hügeln über Barcelona an einem großen Lagerfeuer kampiert – es wird einen tief berühren. Mitten unter Musikern und in der Musik zu sein kann ein Hochgefühl auslösen.

Merkwürdigerweise trifft das auf ein Popkonzert nicht in gleicher Weise zu. Verstärkte Musik mag zwar rasende Begeisterung herbeiführen, einfach weil sie laut sein kann, sie kann aber nicht die Intensität und diese ursprüngliche Emotion auslösen, die man durch die Musik in der natürlichen Klangwelt eines Lagerfeuers oder eines Salons erlebt. Einfach gesagt, eine Verstärkung von Tönen überlagert die angeborene Fähigkeit, Richtung, Geschwindigkeit und Beschaffenheit von Geräuschen zu erkennen. Bis jetzt!

Soundscape. Der Hintergrund.

Landschaft: alle sichtbaren Merkmale eines Gebietes, oft hinsichtlich ihrer ästhetischen Reize betrachtet.

Klanglandschaft: alle hörbaren Merkmale einer Umgebung – der Klang eines Ortes, einer Veranstaltung, eines Erlebnisses; der Klang des Lebens.

Die Begriffe Landschaft und Klanglandschaft folgen beide dem Prinzip der menschlichen Wahrnehmung ihrer jeweiligen physikalischen Gegebenheiten, im einen Fall optisch, im anderen akustisch. Die Terminologie zur Definition von d&b Soundscape, der Entwicklung, Darstellung und Handhabung, richtet sich nach ISO 12913-1:2014 (en) Acoustics — Soundscape.

Zu finden (auf Englisch) unter: https://www.iso.org/obp/ui/#iso:std:iso:12913:-1:ed-1:v1:en 

 

Die Technologie.

d&b Soundscape besteht aus drei verschiedenen Komponenten: ein Signalprozessor und zwei optionale -Module. Der Signalprozessor stellt für Audio-Matrix und Processing ein gewohntes Format zur Verfügung, das jeder Sound-Designer kennt und in seinem Alltag benutzt.

Die Software-Komponenten bieten zum einen das Objektpositionierungs-Tool En-Scene, mit dem sich bis zu 64 „Klangobjekte“ individuell platzieren und bewegen lassen. Zum anderen die Raumemulations-Software En-Space, mit der sich Nachhalleffekte für jeden Raum erzeugen lassen.

d&b Soundscape ist eine Technologie, die aus zwei Stufen besteht. Die erste Stufe ist die Konfiguration, der Aufbau, der wie gewohnt in der d&b ArrayCalc Simulationssoftware vorgenommen wird. Dann folgt die kreative Stufe, in der die Quellen, die Klangobjekte (die Künstler und die Instrumente) platziert und das Panning und die Raumakustik erzeugt werden. Und wie bei allen anderen d&b Lösungen leistet die R1 Fernsteuer-Software genau die Kontrolle und Übersicht, die man benötigt. 

 

Die DS100 Signal Engine ist ein revolutionärer Audio-Systemprozessor mit einem Dante Netzwerk. Eine Audio-Matrix, die Signalwege über eine große Anzahl von Kanälen hinweg organisiert und eine umfangreiche Steuerung für die 64 x 64 Ein- und Ausgänge mit Pegel- und Delay-Funktionen an allen Knotenpunkten bereitstellt. Eine Matrix, die sich vielseitig einsetzen lässt, auch um mit den d&b Soundscape Modulen En-Scene und En-Space beeindruckende und dennoch unverfälschte Hörerfahrungen zu schaffen. Eine Matrix, die sich in die d&b System Reality einfügt. Der d&b Systemgedanke umfasst , , - und Transportlösungen und nicht zuletzt Netzwerkzubehör wie die DS10 Audio Network Bridge, die Schnittstelle zwischen dem Dante-Audio-Netzwerk und den AES3-Eingängen der d&b .

 

Die Terminologie.

Klangquelle oder Klangobjekt bezeichnet den Ursprung des Klangs, die physikalische Position, ein Ort in Raum und Zeit. Es ist die Quelle, von der der ursprüngliche Klang ausgeht. Sie wird an die Stelle platziert, an der sie im Rahmen der Soundscape wahrgenommen werden soll. Die Bezeichnung „Klangobjekt“ ist in der ISO-Norm definiert.

Quellenorientierung bezeichnet die Wahrnehmung des auditiven Effekts, der nur vom physikalischen Standort des Klangobjekts ausgeht, sei es eine sprechende oder singende Person oder ein Instrument oder ein beliebiges anderes Objekt, das den ursprünglichen Klang erzeugt.

Akustische Umgebung ist der Klang beim Empfänger aus allen Klangquellen, modifiziert durch die Umgebung, real oder simuliert, drinnen oder draußen, im Moment erlebt oder aus der Erinnerung.

Objektpositionierung bezeichnet den physikalischen Standort des Klangobjektes. Dieser wird auf der Steueroberfläche der d&b En-Scene Software abgebildet. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein stationäres Klangobjekt nicht in die Mitte des d&b En-Space Systems platziert werden kann, z.B. in die Mitte des Publikums. Es ist zwar möglich, die Illusion zu erzeugen, dass ein Klangobjekt durch das Publikum wandert, jedoch lässt es sich nicht in ein stationäres Klangobjekt umwandeln.

Positionierung oder Platzierung bezeichnet den Ort in der physikalischen Umgebung, an dem das Klangobjekt sich befindet. Dieser wird in der grafischen Benutzeroberfläche der d&b En-Scene Software abgebildet.
Die Schaffung einer akustischen Umgebung, die einen Raum ins Freie emuliert, bewirkt eine sehr „persönliche“ Erfahrung. 

 

 

Eigenschaften von Klangobjekten

Lokalisierung beschreibt den Effekt, wenn ein Klangobjekt festgelegt wird. Theoretisch breitet sich der Klang vom Objekt kugelförmig von der Position des Objektes aus.

Lokalisierungsschärfe wird festgelegt durch die Auflösung des Lautsprechersystems. Je größer die Anzahl der Lautsprecher, die jeder Zuhörer hört, umso präziser ist die Lokalisierung.

Nachhallcharakteristika im Raumemulator bezeichnet die Eigenschaften eines Raums, die gemessen, in Daten umgewandelt und dann gefaltet und im Rahmen der d&b Soundscape in die DS100 Signal Engine eingebracht werden.

Zeitaspekte

Obwohl die Quellenposition optisch und akustisch übereinstimmend wahrgenommen werden kann, entstehen durch den Unterschied zwischen der Geschwindigkeit des Schalls und der des Lichts durch die Luft immer gewisse Zeitdifferenzen. Schall braucht Zeit.

Diotisch – beide Ohren betreffend. Ein nützliches Wort, da Soundscape nur funktioniert, wenn beide Ohren es hören.

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