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Yamahas digitale Mixing-Engines läuten an der Westminster Abbey ein neues Zeitalter ein


Moderne Audio- und Video-Systeme in historische Gebäude zu integrieren, gehört sicher zu den anspruchsvolleren Aufgaben. Im Rahmen einer neuen AV-Installation in der wohl berühmtesten Kirche Großbritanniens – Westminster Abbey – ist der schwierige Balanceakt allerdings ausgesprochen gut gelungen. Tatsächlich arbeiten hinter den Jahrhunderte alten Steinmauern nun topmoderne digitale Mixing-Engines vom Typ Yamaha DME, die wie so oft für eine himmlische Qualität des Audioparts der Anlage sorgen.

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Konzipiert wurde das Projekt von den Audio-Beratern Hyland & Associates, die Installation selbst nahm die Firma Whitwam Ltd aus Winchester in die Hand. Das letzte Wort aber hatte selbstverständlich die Verwaltung des Londoner Besuchermagneten. Neben einer Sprachbeschallungsanlage wurden eine Induktionsschleifenanlage für Hörbehinderte sowie Überwachungskameras installiert. Daneben sorgt eine umfassende Distribution für den reibungslosen Transport von Audio- und Video-Signalen sowie anderen Daten.

Wie bei großen Kathedralen üblich erstreckt sich Westminster Abbey über eine riesige Fläche mit zahlreichen glatten Oberflächen, die stark hallen. Alle Beteiligten achteten daher bei der Installation und der Abnahme des neuen Systems sehr darauf, dass das tägliche Geschäft, die zahlreichen Veranstaltungen oder die vielen Besucher in der Abbey nicht gestört wurden.

Im Zentrum des Audiosystems befinden sich zwei digitale Mixing-Engines vom Typ Yamaha DME64N, die im Haupt-„User“-Rack installiert wurden. Diese sind vor Ort mit AD8HR-Mikrofon-Input-Modulen und DA824-Line-Outputs verbunden. Fünf weiter weg gelegene Equipment-Racks beinhalten zudem mehrere DME24N- und DME8o-C-Einheiten. Sie sind über CobraNet und Glasfaser-Leitungen mit dem User-Rack verbunden. Es handelt sich um zwei Glasfaser-Multicores, die alle Orte, an denen Racks stehen, miteinander verbinden. Sie bilden zwei ununterbrochene, komplett redundante Ringe.

Die Systemdesigner entschieden sich für mehrere dezentrale Racks, um die herkömmliche Verkabelung soweit wie möglich örtlich zu begrenzen. Lange Strecken zwischen den verschiedenen Bereichen sollten verhindert werden, da es kaum vorbereitete Kabelwege gab – und aufgrund der historischen Architektur der Abbey wäre es auch schwierig gewesen, neue Kabelkanäle zu bauen.

Für die Bedienung des Systems sind die Kirchendiener der Abtei verantwortlich. Sie verwenden Creston-Touchscreens, die in mehreren Bereichen installiert wurden, wodurch sich die Anlage sehr flexibel steuern lässt. Ein weiterer Touchscreen befindet sich am Orgelpult und ermöglicht vor Ort eine Steuerung jener Audio- und Video-Elemente, die für den Organisten relevant sind.

Darüber hinaus lässt sich das System über einen mobilen Bildschirm steuern, den man an verschiedenen Orten in der Abbey anschließen kann. Und zu guter Letzt gibt es sogar einen Wireless-Touchscreen, der in den wichtigen Bereichen des Gebäudes überall einsetzbar ist.

Der Crestron AV2-Prozessor ermöglicht die Steuerung von weiteren Elementen der Installation, wie zum Beispiel der Überwachungskameras oder der Aufnahme- und Abspielgeräte für Audio und Video.

Eingangsseitig gibt es bei dem System zunächst einmal 32 verkabelte Mikrofon-Inputs an Schlüsselpositionen, die entweder vor Ort vom Nutzer oder ferngesteuert über einen der Touchscreens aktiviert oder deaktiviert werden können. Die Bildschirme verfügen über eine maßgeschneiderte Elektronik, so dass die Crestron-Technik perfekt mit den Yamaha-DMEs zusammenarbeitet. Hinzu kommen sechs drahtlose Ansteckmikrofone, zwei drahtlose Handmikrofone und ein Mikro für Ausrufe und Ansagen, das sich am User-Rack befindet.

Die Anlage verfügt über sage und schreibe 47 Beschallungszonen. Selbst vor den Nord- und West-Türen der Abbey gibt es Anschlussdosen, um auf Stativen montierte Lautsprecher mit dem System verbinden zu können. Für die regelmäßigen Gottesdienste wurde eine Reihe von Presets eingerichtet, die über die Touchscreens anwählbar sind und die jeweils benötigten Lautsprecher-Zonen aktivieren. Dargestellt sind die Zonen in Form eines Abbildes des Gebäudes und können einfach per Hand ausgewählt werden.

Weitere Eingänge und Ausgänge werden von CD- und DVD-Geräten beansprucht. Darüberhinaus gibt es ein integriertes Soundrecording. Alle Aufnahme- und Abspiel-Funktionen sind über den Touchscreen erreichbar. Eigens für die Anlage vorbereitet wurden diverse Notfall-Ansagen. Wenn ein solcher Notruf erfolgt, wird er automatisch zu allen Lautsprecherzonen geschickt.

Externes Equipment kann über diverse Aux-Inputs angedockt werden – und tatsächlich ist es sogar möglich, die Anlage über eine Internet-Verbindung ferngesteuert zu verwalten und zu überwachen.

Eine separate Anlage wurde installiert, um den Chorgesang für die Gemeinde im Kirchenschiff zu verstärken. Die Mauer zwischen den zwei Bereichen, die so genannte Chorschranke, fungiert dabei als Sound-Barriere. Mikrofone, die über dem Chor-Parkett hängen, speisen ein Lautsprecherpaar, welches auf Höhe der Orgelempore an jedem Ende der Abschirmung angebracht wurde und auf das Kirchenschiff gerichtet ist.

Weitere Zusatzsysteme wurden im Jericho Chamber, im Ringing Chamber und in St. Margaret‘s Church (die sich zwischen der Westminster Abbey und dem House Of Commons befindet) installiert. Sie alle sind mit dem Hauptsystem verbunden.

Das neue System wurde passend zu einem Dankgottesdienst fertiggestellt, der einem großen Jubiläum gewidmet war. Genau 450 Jahre zuvor, im Jahre 1560, hatte Queen Elizabeth I der Westminster Abbey die legendäre „Royal Charter“ verliehen, wodurch die Kirche eine Art Vorrangstellung erlangte. Seit dem Gottesdienst hat sich die neue Anlage immer wieder bestens bewährt, und zwar sowohl im Tagesgeschäft als auch bei besonderen Konzerten, Theatervorführungen, Lesungen und Fernseh-Übertragungen.

Weitere Informationen zu Yamaha Commercial Audio

Bilder: Yamaha Commercial Audio

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